Die 20-er Jahre, Notzeiten für 'kleine Leute' und keineswegs golden

In den Notzeiten der 20-er Jahre entstand eine Vielzahl von Diensten und Einrichtungen der AWO: Nähstuben, Mittagstische, Werkstätten, Beratungsstellen. Viele sozialdemokratische Frauen und Männer wurden für einen sozialen Beruf ausgebildet. Ziel der AWO war es, diese Not zu lindern, ihr vorzubeugen, Wohlfahrtsleistungen zu verbessern und moderne sozialpädagogische Methoden anzuwenden.

Doch die Notverordnungen dieser Jahre schränkten die Leistungen der Wohlfahrtspflege immer wieder drastisch ein. Die diskriminierende öffentliche "Armenpflege" sollte dennoch schrittweise durch eine moderne Fürsorgegesetzgebung überwunden werden. Meilensteine dieses Weges waren das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 und die Fürsorgepflichtverordnung von 1924. Die AWO forderte soziale Rechtsansprüche ein. Ihre Mitglieder hatten die verheerenden Notstände als Betroffene selbst zu bewältigen. Vorrangig galt es deshalb, der Massenverelendung mit praktischer Selbsthilfe zu begegnen. Seit 1925 wurde von der AWO eine eigene Lotterie veranstaltet und Arbeiterwohlfahrtsmarken verkauft, um die entstandenen und entstehenden sozialen Dienste zu finanzieren.

1926 wurde die AWO als Reichsspitzenverband der freien Wohlfahrtspflege anerkannt. Ab 1928 unterhielt die AWO eine eigene Wohlfahrtsschule in Berlin. Notverordnungen, die die wenigen sozialen Rechtsansprüche und Leistungen einschränkten, die Weltwirtschaftskrise und die instabilen Verhältnisse in der Weimarer Demokratie machten die soziale Hilfstätigkeit der AWO unentbehrlich. Über 20 Millionen Menschen in Deutschland waren auf Hilfen der Wohlfahrtspflege angewiesen. 5,7 Millionen Arbeitslose standen vor den Schaltern der Arbeitsämter. In den AWO-Volksküchen wurden Hungernde versorgt, Lebensmittel- und Kleidersammlungen durchgeführt.

1931 waren 135.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer der AWO in der Kindererholung und im Kinderschutz, in der Altenbetreuung und Jugendhilfe, in Notstandsküchen und Werkstätten für Behinderte und Erwerbslose sowie in Selbsthilfenähstuben tätig. Die AWO wurde zur Helferorganisation für alle sozial bedürftigen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer Konfession.

Hier finden Sie die Online-Edition der von 1926 bis 1933 erschienenen Zeitschrift "Arbeiterwohlfahrt"

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